Herzinsuffizienz

Herzinsuffizienz ist ein wichtiges Thema in der Gesundheitsversorgung. Die Häufigkeit der Erkrankung wird voraussichtlich in den kommenden Jahren aufgrund der weltweit älter werdenden Bevölkerung und der höheren Überlebensrate bei akuten koronaren Ereignissen weiter steigen1.

Herzinsuffizienz

  • Die Herzinsuffizienz (HI) ist eine häufige, potentiell tödlich verlaufende und kostenintensive Erkrankung (in den USA 39 Mrd. $ jährlich2), die oft als Endstadium einer Herzerkrankung auftritt.
  • 23 Millionen Menschen weltweit sind davon betroffen – Tendenz steigend.2
  • In den Industrieländern ist die HI die Hauptursache für einen Krankenhausaufenthalt bei Patienten, die älter als 65 Jahre sind.2
  • Einer von 5 Patienten stirbt innerhalb eines Jahres nach der HI-Diagnose und bis zu 50% sterben innerhalb von 5 Jahren.2

Definition

Herzinsuffizienz (HI) ist ein komplexes klinisches Syndrom, bei dem die Pumpfunktion des Herzens nicht mehr ausreicht (ventrikuläre Dysfunktion), um den Sauerstoffbedarf lebenswichtiger Organe und Gewebe zu decken. Infolgedessen baut sich Flüssigkeit in der Lunge und/oder verschiedenen Teilen des Körpers auf, die Staus und Ödeme verursachen. Dies erklärt häufige Symptome wie Schwierigkeiten beim Atmen, Müdigkeit und geringe körperliche Belastbarkeit.

Anzeichen und Symptome einer Herzinsuffizienz

In Anlehnung an: Dickstein K, Cohen-Solal A, Filippatos G, et al. ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure. Eur Heart J. 2008; 29: 2388-442

Herzinsuffizienz ist eine chronische Erkrankung, die sich im Laufe der Zeit verschlechtert und eine fortschreitende Umgestaltung des Herzens verursacht. Die Größe und Form des Herzens verändert sich und beeinträchtigt die ventrikuläre Funktion in zweifacher Hinsicht:

  • Systolische Herzinsuffizienz (HI mit reduzierter Ejektionsfraktion): Verdünnung und Schwächung der Herzkammer-Wandungen führen zur Dilatation und zu einer verminderten Auswurfleistung.
  • Diastolische Herzinsuffizienz (HI mit erhaltener Ejektionsfraktion): Verdickung und Versteifung der Herzkammern aufgrund von Hypertrophie resultiert in einer gestörten Relaxation.

Quelle

Diagnostik

Herzinsuffizienz wird sowohl anhand typischer Anzeichen und Symptome sowie eines objektiven Nachweises einer strukturellen oder funktionellen Anomalie des Herzens diagnostiziert (ESC HF Guidelines 2012).

Eine schnelle und genaue Diagnose ist wichtig, um eine geeignete Therapie festzulegen und bessere Behandlungsergebnisse zu erzielen. Allerdings ist die HI schwer zu diagnostizieren, weil die klinischen Symptome variieren und oft unspezifisch sind. Die Diagnose muss auf einer Kombination der Patientengeschichte, einer körperlichen Untersuchung, bildgebenden Verfahren und Labortests beruhen. Die Messung von Biomarkern wie NT-proBNP und Galectin-3 unterstützt eine frühe Diagnose und Prognose der HI3,4. Die Messung von Procalcitonin (PCT) ist nützlich, um eine gleichzeitig auftretende bakterielle Lungenentzündung bei Patienten mit akuter HI zu diagnostizieren.5

 

 

NT-proBNP – Frühzeitige Diagnosestellung bei Herzinsuffizienz

NT-proBNP ist das N-terminale Gegenstück des B-type natriuretischen Peptids3. NT-proBNP ist ein zuverlässiger Biomarker bei Herzinsuffizienz. Die Messung wird in vielen Richtlinien als integraler Bestandteil zur erfolgreichen Diagnosestellung bei HI empfohlen.6


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Diagnostisches Ablaufdiagramm bei Verdacht auf Herzinsuffizienz – dargestellt sind die alternativen Ansätze 'zuerst Echokardiographie' (blau) oder 'zuerst Natriuretische Peptide' (rot) 

BNP = Brain (oder B-Type) natriuretisches Peptid; EKG = Elektrokardiogramm; HI = Herzinsuffizienz; MR-proANP = Mittregionales Pro-Atriales Natriuretisches Peptid; NT-proBNP = N-terminales pro B-type natriuretisches Peptid.

Quelle: McMurray JJ, et al. ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure 2012. Eur Heart J. 2012;33:1787-847

 

 

Galectin-3 – Identifizierung von Hochrisiko-Patienten

Während NT-proBNP ein Biomarker ist, der die Diagnostik der Herzinsuffizienz unterstützt, sind zusätzliche Informationen erforderlich, um HI-Patienten mit erhöhtem Risiko für eine erneute Hospitalisierung / Mortalität zu bestimmen. Heute weiß man, dass 30-50 % der Herzinsuffizienz-Patienten eine inhärent fortschreitende Form der Erkrankung haben, die durch hohe Galectin-3-Werte  angezeigt wird4. Galectin-3 verursacht eine fortschreitende Fibrose, die als zugrunde liegende krankhafte Veränderung bei Herzinsuffizienz bekannt ist7. Die Messung von Galectin-3 kann Informationen für eine optimierte Patientenversorgung liefern.4

 

 

Procalcitonin (PCT) – Diagnose bakterieller Pneumonie mit assoziierter Herzinsuffizienz 

Bei etwa 10 % der Patienten mit akuter Dyspnoe treten gleichzeitige Herz- und Atemwegserkrankungen auf8. Procalcitonin gilt seit Kurzem als ein nützlicher Biomarker in der Diagnostik der begleitenden bakteriellen Pneumonie bei HI-Patienten5.

Der Nachweis einer überlagernden Lungenentzündung bei Patienten mit Akuter Herzinsuffizienz (AHI) ist schwierig, da die klinischen Anzeichen ähnlich sind. Die kombinierte Messung von Natriuretischen Peptiden (BNP/NT-proBNP*) und PCT hilft, zwischen einer Lungenentzündung und einer AHI zu unterscheiden5.

Patienten mit HI haben ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Pneumonie9. Deshalb ist es wichtig, Patienten mit Akuter Herzinsuffizienz (AHF), die durch eine bakterielle Infektion (Lungenentzündung) überlagert ist, zu bestimmen, da diese einem erhöhten Risiko für einen schlechten Behandlungserfolg ausgesetzt sind, wenn die Erkrankungen nicht sachgemäß diagnostiziert und behandelt werden10.

* In dieser Studie wurde BNP verwendet, aber ähnliche Ergebnisse  sind bei der kombinierten Anwendung von PCT und NT-proBNP zu erwarten. 

Prävention und Therapie 

 

Prävention

Die beste Prävention gegen Herzinsuffizienz ist eine gesunde Lebensweise, um bekannte Risikofaktoren wie Bluthochdruck und koronare Herzkrankheit zu minimieren.

Maßnahmen zur Senkung der Risikofaktoren für die Entwicklung einer Herzinsuffizienz:

  • Nicht rauchen
  • Moderate körperliche Bewegung
  • Gesunde, ausgewogene Ernährung mit wenig Zucker, Salz und gesättigten Fettsäuren
  • Normalgewicht halten
  • Stressvorbeugung und -bewältigung 
  • Regelmäßige ärztliche Kontrollen bei Vorliegen bestimmter Faktoren  wie Bluthochdruck, erhöhtem Cholesterin oder Diabetes oder bei Disposition gegenüber diesen Faktoren und falls nötig, die Verordnung von Medikamenten

 

Therapie

Die Therapie der Herzinsuffizienz erfolgt abhängig vom Stadium und Schweregrad. Ein therapeutisches Management überwacht die Risikofaktoren und befasst sich mit den zugrundeliegenden Ursachen/erschwerenden Faktoren. Es dient dazu, die Symptome zu verbessern und ein Fortschreiten der Erkrankung zu vermeiden.

Es gibt maßgebliche, evidenzbasierte medikamentöse Therapien für HI, die auf verschiedene an einer HI beteiligten pathophysiologische Mechanismen abzielen und das Herz, die Nieren und die periphere Durchblutung umfassen.

Dazu gehören folgende Medikamente:

  • Diuretika zur Senkung des Blutvolumens
  • Angiotensin-Converting-Enzyme (ACE)-Hemmer und Angiotensin-Rezeptorblocker (ARB) zur Unterstützung der Vasodilatation
  • Betablocker  zur Verlangsamung der Herzfrequenz und Verhinderung der übermäßigen Stimulation des Herzens
  • Aldosteron-Rezeptorantagonisten zur Senkung des Blutdrucks und Reduzierung von Stauungen
  • Digoxin, Inotrope können in bestimmten Fällen auch erforderlich sein, um die Herzkontraktion zu stimulieren 

“Measurement of biomarkers of myocardial fibrosis”, such as galectin-3, “may be considered for additive risk stratification in ambulatory and hospitalized HF patients”.

American College of Cardiology Foundation (ACCF) and the American Heart Association (AHA) 2013 Guideline for the Management of Heart Failure.

 

Je nach Schädigung des Herzens kann eine Operation erforderlich sein (Herzklappenersatz, Herzschrittmacher, Herzunterstützungssystem (Ventricular Assistance Device)). Bei schweren Schädigungen ist eine Herztransplantation oftmals die einzige Therapiemöglichkeit. 

Leitlinien

Referenzen

  1. Heidenreich PA, et al. Forecasting the impact of heart failure in the United States: a policy statement from the American Heart Association. Circ Heart Fail. 2013;6:606-19.
  2. Bui AL, Horwich TB, Fonarow GC. Epidemiology and risk profile of heart failure. Nat Rev Cardiol. 2011;8:30-41.
  3. Thygesen K, et al.; Study Group on Biomarkers in Cardiology of the ESC Working Group on Acute Cardiac Care. Recommendations for the use of natriuretic peptides in acute cardiac care: a position statement from the Study Group on Biomarkers in Cardiology of the ESC Working Group on Acute Cardiac Care. Eur Heart J. 2012;33:2001-6.
  4. McCullough PA, Olobatoke A, Vanhecke TE. Galectin-3: a novel blood test for the evaluation and management of patients with heart failure. Rev Cardiovasc Med. 2011;12:200-10.
  5. Maisel A, et al. Use of procalcitonin for the diagnosis of pneumonia in patients presenting with a chief complaint of dyspnoea: results from the BACH (Biomarkers in Acute Heart Failure) trial. Eur J Heart Fail. 2012; 14: 278–286.
  6. McMurray JJ, et al. ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure 2012: the Task Force for the Diagnosis and Treatment of Acute and Chronic Heart Failure 2012 of the European Society of Cardiology. Developed in collaboration with the Heart Failure Association (HFA) of the ESC. Eur Heart J. 2012;33:1787-847
  7. de Boer RA, et al. Galectin-3: a novel mediator of heart failure development and progression. Eur J Heart Fail. 2009;11:811-7.
  8. Arenja N, et al. The ESC Textbook of Intensive and Acute Cardiac Care 2011: Acute Dyspnea
  9. Mor A, et al. Chronic heart failure and risk of hospitalization with pneumonia: a population-based study. Eur J Intern Med. 2013;24:349-53.
  10. Thomsen RW, et al. The impact of pre-existing heart failure on pneumonia prognosis: population-based cohort study. J Gen Intern Med. 2008;23:1407-13.

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